Patenbrief Juni 2019

 

Liebe Patinnen und paten,

nur durch Ihre dauerhafte Unterstützung kann den fast 500 aus Deutschland geförderten Schülerinnen und Schülern eine hochwertige Schulausbildung an einer unserer beiden Schulen ermöglicht werden. Sie und ihre Familien sind dafür sehr dankbar.

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Wir haben die 23 besten Schülerinnen und Schüler unserer Sekundarschule getroffen und ihnen die Möglichkeit gegeben, Ihnen eine Botschaft zu übermitteln. Sie finden im Download (oben rechts) alle  Fotografien und Zitate.

Darüber hinaus gibt es einige Neuigkeiten zu berichten: Aktuelle Beobachtungen der Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler zeigen, dass jene mit einer Patenschaft bessere Ergebnisse erzielen als nicht unterstützte Kinder. Die Mehrzweckhalle, eine Einzelspende aus Deutschland, wurde offiziell eingeweiht. Weiterhin soll unser psychologischer Sozialarbeiter einen erweiterten Beschäftigungsumfang bekommen.

 

Mit herzlichem Dank und Gruß für Ihr stetes Engagement

Ihre

 Christiana Frosio                    Dr. Rüdiger Hoppe

 

 

Geförderte Schülerinnen und Schüler lernen besser.

Über die schulischen Leistungen der von Ihnen geförderten Kinder wird vom Leiter des Patenschaftsprogrammes in Indien, Dr. Andreas Bachmann, genau Buch geführt. Bei den neuesten Beobachtungen wurde nun auch ein Vergleich mit nicht geförderten Kindern derselben Schule gezogen. Hierbei zeigte sich, dass die Leistungen der geförderten Kinder etwas besser sind, was gemessen an den erschwerten Verhältnissen aus denen die Kinder und Jugendlichen kommen beachtlich ist.

Nun muss erwähnt werden, dass die Auswahl der Kinder für das Patenschaftsprogramm auch anhand ihres schulischen Potenzials erfolgte. Dies ist ein Umstand, der unsere Beobachtungen natürlich beeinflusst. In erster Linie flossen bei der Vergabe der Patenschaften aber mentale, soziale und ökonomische Benachteiligungen in die Entscheidung ein. So freuen wir uns mit Ihnen, liebe Patinnen und Paten, ganz besonders darüber, dass diese Kinder nachweislich ebenfalls profitieren.

Und: in den Auswertungen konnte zusätzlich dargestellt werden, dass der Unterschied zwischen den beiden Gruppen mit fortschreitender Dauer der Unterstützung von Ihnen größer wird. Das bedeutet, dass die Patenschaften nicht nur eine gute Schulausbildung ermöglichen, sondern die Schülerinnen und Schüler zusätzlich dazu befähigen, über die Jahre hinweg mehr von ihrem Potenzial umzusetzen und in ihre Entwicklung einfließen zu lassen. Diese Erkenntnisse sind eine sehr gute Nachricht für unser Patenschaftsprogramm und eine sehr schöne Bestätigung für Sie, liebe Spenderinnen und Spender, dass ihr Geld dorthin fließt, wo es wirklich einen Unterschied macht. 

Swathi: „Ich liebe die Lehrer hier. Sie nehmen den Unterricht sehr ernst, das spürt man. Ich möchte gerne später Englischlehrerin werden und auch an dieser Schule unterrichten.“

UNSER SOZIALARBEITER ERWEITERT SEINEN EINSATZ.

Die Arbeit unseres Herrn Kulandaisamy haben wir Ihnen ja bereits in den zwei vorausgegangenen Berichten ausführlich vorgestellt. Wir sind sehr froh, dass es auf Grund Ihrer Spenden möglich sein wird, seinen Beschäftigungsumfang zu erweitern. 

Psychosoziale Betreuung an Schulen ist in Indien die absolute Ausnahme. Eine Beratung beschränkt sich allenfalls auf die Berufswahl, aber nicht auf Verbesserung der schulischen Leistungen durch Einbeziehung der psychischen, sozialen und familiären Umstände. Dies ist aber eine Notwendigkeit, da während der Adoleszenz zu den im ländlichen Indien üblichen Problemen des täglichen Lebens noch jene hinzukommen, die Kindern und Jugendlichen weltweit in dieser schwierigen Lebensphase zu schaffen machen: Es ist die Zeit der Pubertät, in der Werte neu geschaffen oder umgeordnet werden, wobei eine zusätzliche Instabilität im Leben entstehen kann. Und genau hier versuchen wir, an unseren Schulen in Shanthimalai eine Hilfestellung zu geben, die auf die Bedürfnisse des einzelnen Schülers zugeschnitten ist.  Wir sind sehr froh darüber, dass dieses Angebot in seinem zeitlichen Umfang und damit in der Anzahl der betreuten Schülerinnen und Schüler erweitert werden kann.

An Erfahrung und Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Menschen in Indien unter besonderer Würdigung ihrer kulturellen Einzigartigkeit mangelt es unseren Mitarbeitern vor Ort nach all den Jahren der Hilfe zur Selbsthilfe sicher nicht.  Um diese Arbeit aber noch weiter zu verbessern und ihre Hintergründe noch besser zu verstehen, haben sich die Verantwortlichen vor Ort intensiv mit den psychosozialen Grundlagen von Schülerinnen und Schülern im ländlich geprägten Südindien beschäftigt.

 

Neue Einflüsse und zusätzliche Probleme.

Fortlaufende Recherchen von Dr. Andreas Bachmann (Arzt für Allgemeinmedizin und Leiter des Sponsorship-Programms) und Herrn Kulandaisamy (Psychologischer Sozialarbeiter) vor Ort haben die Notwendigkeit für psychosoziale Unterstützung aufgezeigt. Einerseits sind es die lange bekannten psychologischen Probleme, die hier zum Tragen kommen - Depression, Angst- oder Entwicklungsstörungen, um nur einige zu nennen. 

Aber es gibt auch ganz neue Fakten. Die Ergebnisse der Beobachtungen decken sich mit dem Trend, der auch in den westlichen Ländern zu beobachten ist. Neben den klassischen Herausforderungen, denen Kindern und Jugendliche gewachsen sein müssen, sind in den letzten Jahren noch die auch in Deutschland viel diskutierten sogenannten „neuen Morbiditäten“ hinzugekommen – Es sind dies in ihrer Ausprägung neue Alltagsprobleme von Kindern und Jugendlichen, die unter anderem durch gesellschaftliche Entwicklungen verursacht werden und die bis hin zu einer psychiatrischen Erkrankung führen können. 

Diese Probleme sind teilweise mit einem schädlichen Gebrauch elektronischer Geräte und des Internets vergesellschaftet. Wir möchten Ihnen nachfolgend im Lichte dieser Erkenntnisse darlegen,  wie diese Probleme sich in der besonderen Situation des ländlichen Südindiens auswirken. Denn leider machen diese negativen Einflüsse auch vor relativ abgeschiedenen Regionen nicht halt. Zwar herrscht dort auch heute noch vielerorts eine große Armut. Aber das Smartphone und die dazugehörige Internet-Flatrate sind dennoch in der indischen Bevölkerung sehr verbreitet. 

Ihre Patenkinder gehören sicherlich nicht zum Kreis derer, die ein Mobiltelefon besitzen. Es kennt aber jeder Jugendliche jemanden, der eines besitzt. Der freie Zugang zu einer scheinbar grenzenlosen öffentlichen Welt mit all ihren Facetten – und Abgründen – steht im Widerspruch zur traditionellen

Lebensweise der Menschen der Region um Tiruvannamalai. Denn diese von traditionell-hinduistischer Kultur geprägte Lebensweise ist über Jahrtausende entstanden und stellt für Menschen aller Altersgruppen auch heute noch einen lebenswerten, erfüllenden und keineswegs altmodischen Weg dar. Doch der freie Zugang zum Internet kann bei unreflektiertem Gebrauch diesen Lebensweg in Frage stellen. Die Verarbeitung einer Vielzahl von verschiedensten Einflüssen, vom herausfordernden Lehrplan bishin zu den Versuchungen der modernen Technologien, macht es einem jungen und vielleicht noch nicht gefestigten Menschen noch schwerer, den ohnehin beschwerlichen Weg in einer fordernden indischen Gesellschaft zu gehen. Hier setzt die psychosoziale Arbeit an. Wir sind uns dieser neuen Herausforderungen sehr bewusst.

 

55 Familien profitieren bereits.

Bislang wurden in Rahmen des SRM Mental Health Programme 55 Schülerinnen und Schüler individuell begleitet. In allen Fällen wurden detaillierte Gespräche geführt und mit Schülern wie Eltern die Ursachen und Umstände der jeweiligen Probleme identifiziert.

Da viele Eltern tagsüber arbeiten ist dies oft nur durch Hausbesuche möglich, oft auch am Wochenende. Die häufigsten Anlässe, die eine Unterstützung notwendig machen, sind: Familiäre Konflikte, Ängste (einschließlich Prüfungsangst), Alkoholabhängigkeit eines Elternteils, Mobbing, Depression, Verhaltensstörungen, Verarbeitung von traumatischen Ereignissen, Lese-Rechtschreib- und Rechenstörungen. Die Beratung über mögliche materielle Hilfen ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. 

Meist kommt ein Kontakt zu Stande, wenn die schulischen Leistungen nicht zufriedenstellend sind. Die Therapie, die falls notwendig auch kontinuierlich über einen längeren Zeitraum erfolgt, beinhaltet zum einen die Verbesserung der mentalen Situation des Kindes oder Jugendlichen. Zum anderen aber auch aufklärende Gespräche mit Familienmitgliedern, damit diese die Probleme bzw. die Störung verstehen, annehmen und sich entsprechend verhalten können. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Arbeit, weil in Indien psychische Probleme generell nicht die Akzeptanz haben, wie dies in den westlichen Ländern heute zunehmend der Fall ist. Auch bei uns hat es sehr lange gedauert, bis psychische Störungen überhaupt als solche anerkannt und nicht mehr so stark stigmatisiert wurden. Dieser Prozess wird in Indien wohl noch eine Zeit dauern.

Zusätzlich zur individuellen Arbeit mit den Familien werden von dem Programm Workshops für Eltern angeboten, die das Ziel haben, mehr Familien zu erreichen und die Probleme präventiv anzugehen.

Liebe Patinnen und Paten, mit Ihrer Unterstützung kann den Schülerinnen und Schülern der Shanthimalai-Schulen auch weiterhin und mit gesteigerter Intensität individuell geholfen werden, ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben zu leben. 

 

Mehrzweckhalle eingeweiht.

Im Februar konnte die lang ersehnte Mehrzweckhalle nach anderthalbjähriger Bauzeit eingeweiht werden. Dieses Projekt wurde durch eine einzelne zweckgebundene Spende aus Deutschland ermöglicht, wurde also nicht aus Ihren Spenden finanziert. Wir möchten Ihnen dieses schöne Projekt dennoch nicht vorenthalten. In dieser Mehrzweckhalle können nun unabhängig von großer Hitze oder Monsun organisierte Versammlungen mit bis zu 650 Teilnehmern abgehalten werden. Im ersten Stock entstanden vier neue Klassenzimmer, um den wachsenden Raumanforderungen unserer Schulen gerecht zu werden. Zusätzlich wurden zwei große Räume für Yogaunterricht und kleinere Veranstaltungen (z.B. Fortbildungen für unsere Lehrer) geschaffen.