Patenbrief Mai 2018

Liebe Patinnen und paten,

Laut UNICEF leben über 100 Millionen Kinder in Indien in extremer Armut. Eine umfassende Schulbildung und Berufsausbildung für diejenigen, die nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, ist oft nur mit großen Opfern und durch Verschuldung der betroffenen Familien zu bewerkstelligen. Um so mehr freut uns, dass Ihre Hilfe für die 335 Schülerinnen und Schüler des Bildungs-Patenschaftsprogramms tatsächlich positive Auswirkungen zeigt. Im vergangenen Schuljahr haben alle Jugendlichen der 12. Abschlussklasse der Sri Ramana Maharishi Secondary School, den dem Abitur vergleichbaren Abschluss geschafft. 

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Jedoch gibt es auch hier im Laufe der Schulzeit Krisen, die nicht nur mit dem Kind, sondern auch mit dem familiären und sozialen Umfeld zu tun haben, und die das Lernen und die schulischen Leistungen eines Kindes störend beeinflussen können, was dann die Situation zu Hause wieder zusätzlich belastet. Solche Einflüsse können von der Schule nicht allein aufgefangen werden. Daher werden die Eltern mehr und mehr aufgerufen, an der Entwicklung ihrer Kinder bewußt mitzuwirken.

Fünfmal jährlich finden Elterntreffen statt, in denen die Prinzipien angesprochen werden, wie die Kinder bestmöglich begleitet werden können, wie ihre Anlagen entdeckt, wie das Interesse am Leben gefördert und die Zeit der Jugend bestmöglich genutzt werden kann. In der indischen Kultur orientieren sich Kinder bis in das frühe Erwachsenen-Alter hinein an den Erwartungen, dem Verhalten und Wertvorstellungen der Eltern und diese Eltern sollten zu dem Rollenmodell werden, das die meisten Kinder normalerweise außerhalb der Familie suchen. Themen dieser Elterntreffen sind z.B. Achtsamkeit im Umgang mit Dingen, Worten und Zeit, Pünktlichkeit, Hygiene, die Wichtigkeit Verantwortung zu übernehmen, die Bedeutung und Verantwortung der Eltern und der Schule in der Erziehung der Kinder, die Anforderungen von Schule, Gesellschaft und Staat, die Bedeutung der indischen Kultur. In diesen Gesprächen wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es für die Eltern ist -  unabhängig von ihrem Bildungsgrad - den Kindern in ihren schulischen Aufgaben, Projekten und allgemeinen Belangen zu helfen. Die Eltern bekommen fundierte Informationen sowie praktische Tipps und Ideen, wie sie ihre Kinder fördern und ihnen eine Stütze sein können. So werden durch Engagement und gezielte Aufklärung langsam Fortschritte erzielt. 

Herr Kandasamy, der Direktor, im Gespräch mit interessierten Eltern.

Konfrontiert mit der schwierigen Situation leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler, hat der Betreuer des Patenkind-Programmes vor Ort, Dr. Andreas Bachmann, zusammen mit einem erfahrenen indischen Fachmann und  psychologisch spezialisierten Sozialarbeiter, Mr. Kulandaisamy, seit kurzem ein systematisches Diagnose- und Förder-Programm für diese Kinder etabliert,  das nun schrittweise weiter entwickelt wird. Es geht weit über die Tätigkeit eines Beratungslehrers hinaus und über das, was üblicherweise in anderen Schulen zur Förderung angeboten wird.

Förderprogramm für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten.

Knapp 20 Prozent der Patenkinder haben umgebungsbedingte Lernschwierigkeiten (die ja oft genug mit Armut korrelieren), und es ist uns ein Anliegen, dort spürbar und nachhaltig Hilfe anzubieten.

Am Anfang der individuellen Beratung stehen Gespräche mit dem Kind, Lehrern und Eltern, um zu erfassen, welche psychischen und sozialen Faktoren die Leistungsminderung des Kindes ausgelöst haben (psychosoziale Diagnostik mittels eines von UNICEF empfohlenen Fragebogens). Auf dieser Basis wird ein individuelles Profil und Trainingsprogramm für das Kind und die Eltern erstellt, um einerseits die Situation des Kindes und der Familie besser verstehen zu können, und andererseits störende Einflüsse auf das Kind zu reduzieren. Dabei kommen folgende Punkte immer wieder zur Sprache:

  • Die eigene Situation (und die der anderen) zu verstehen und anzuerkennen,
  • Gefühle und Stimmungen angemessen auszudrücken, 
  • Einstellung der Eltern zu Leben, Bildung und Entwicklung des Kindes,
  • Familien-Konstellation und Historie,
  • Konflikte im Elternhaus, Trennung der Eltern, oder Tod eines Elternteils,
  • Negative Einflüsse von Mitschülern,
  • Hilflosigkeit der Beteiligten, mit einer Situation
  • umzugehen,
  • Umgang mit besonderen Streßfaktoren und Emotionen, 
  • Auffassungsgabe, Kreativität, oder Fleiß des Kindes,
  • Ggf. medizinische Behandlung,
  • Motivation von Kindern, Eltern, und Lehrern.

Das Programm umfasst, je nach Einsichtsfähigkeit, acht bis fünfzehn individuelle Sitzungen mit dem Kind,  acht Gruppensitzungen mit Schülern, und zehn Sitzungen für Eltern und Lehrer zum Thema ‚Ursachen von, und Umgang mit Lernschwierigkeiten‘.  Die Kosten des Programmes werden von unserer Partner-Organisation, dem Shanthimalai Research and Development Trust, getragen. Wir stehen mit diesem speziellen Programm noch am Anfang und werden Ihnen weiter berichten, wie sich alles entwickelt.

Die Eltern werden in die Beratung mit einbezogen.

Vishnupriyan

Saraswati, die Göttin des Lernens, der Musik und Kunst.

Vishnupriyan

ist 12 Jahre alt und kann dank der Bildungspatenschaft die 7. Klasse der Sri Ramana Maharshi Higher Secondary School besuchen. Er wohnt mit seinen zwei jüngeren Schwestern und seinen Eltern in dem Dorf Athiyandal, etwa 2 km von der Schule entfernt. Sein Lieblingsfach ist Naturwissenschaft, weil es von seiner Lieblingslehrerin unterrichtet wird, die wirklich auf die Kinder eingeht. Im Sportunterricht ist er schnellster Läufer der Klasse, worauf er sehr stolz ist. Vishnupriyan ist ein begabter Zeichner und malt in seiner Freizeit Bilder, die häufig indische Gottheiten darstellen. Links unten: Saraswati, die Göttin des Lernens, der Musik und der Kunst.

 

 

 

Umfassende Bildung und Engagement sind wichtig. Und Sie sehen, Ihre Hilfe kommt an. 

Sie unterstützen  Kinder und Jugendliche in ihrer Bildung und Ausbildung, und ermöglichen ihnen damit eine wertvolle Basis für die Zukunft. Es berührt diese Mädchen und Jungen, dass es in weiter Ferne Menschen gibt, die sich ihrer - teils über Jahre hinweg - annehmen. Dieses Engagement  und diese Hilfe wird sie später im Leben motivieren, ihrerseits am Leben anderer Menschen helfend teilzunehmen.

Auf unserer Homepage finden Sie von Zeit zu Zeit neue Informationen über all unsere Programme und Projekte, die nur durch Ihre wohlwollende und konstante Spenden-bereitschaft weiter ihre Wirkung entfalten können. Dafür danken wir Ihnen von Herzen.

 

                      Ihre Christiana und Peter Frosio