Der aktuelle Patenbrief  von Gudrun Rademacher.

Liebe Patinnen und Paten,

Bildung ist unsere Zukunft. Das gilt überall auf der Erde und insbesondere für die beiden Kinder, deren Lebensumstände wir Ihnen hier schildern: Kalaiselvi und Hariharan. Beide sind begabte Schüler der Sri Ramana Maharshi English Matriculation School und werden durch eine Bildungspatenschaft unterstützt.

Kalaiselvi ist Bauerntochter

und fühlt sich mit dem Land und den Tieren ihrer Familie stark verbunden. „Ich bin glücklich, wenn es regnet“, sagt sie. Diese Aussage klingt für uns vielelicht trivial, ist hier aber von existentieller Bedeutung, denn der Wassermangel in der Region um Tiruvannamalai ist sehr akut geworden. Für die meisten Bauern istletzte Reissaat wegen dem ausbleibenden Monsun verdorrt. Der Grundwasserspiegel ist so tief gesunken, dass in den Dörfern oft bis 150 Meter tief gebohrt werden muss, um an Trinkwasser zu gelangen.

Für den Ernteausfall wird Kalaiselvi's Familie von der Regierung eine kleine Entschädigung bekommen. Doch den Bauern im Landesinnern Südindiens steht eine ungewisse und schwierige Zukunft bevor: Die Lebenshaltungs- und unausweichlichen Ausbildungskosten der Kinder steigen bei sinkendem Einkommen. Die Folgen der Klimaveränderung wie extreme Wetterverhältnisse, starke Wasserknappheit und steigende Temperaturen sind auch hier mehr und mehr spürbar. 

So war Indien eines der am stärksten betroffenen Länder der weltweiten Hitzewellen im Jahr 2016. Während die Temperaturen im Landesinneren bis auf 50 Grad Celsius anstiegen, wurde das Wasser immer knapper, der überlebensnotwendige Monsun blieb aus und oft waren es nur ein paar kurze Schauer, die kurzfristig Wasser spendeten. Im vergangenen Jahr war in Indien der geringste Niederschlag seit 100 Jahren. Gerade die Bauern in den armen und ländlichen Regionen im Süden leiden noch immer extrem unter der Wasserknappheit und verlieren so ihre Lebensgrundlage. Aber nicht nur die Menschen, sondern auch Pflanzen und Tiere leiden sehr an der Trockenheit und Hitze. Die ländliche Bevölkerung um Tiruvannamalai ist auf Versorgung durch Wasser, Nahrung und Bildung angewiesen. Aberselbst das Wasser für die Menschen in Tiruvannamalai selbst  ist nun rationiert. Früher konnte Shanthimalai noch den Dörfern mit Wasser helfen. Jetzt muss der Trust selbst Wasser kaufen: Für Shanthimalai's Schulen sind das täglich bis zu 3 x 12000 Liter.
Aber trotz dieser Lage kann unser Trust noch wertvolle Hilfe leisten: Die finanzielle Unterstützung der Schulbildung und Ausbildung der Dorfkinder ist nicht nur eine Erleichterung der momentanen Lage der Familien, sondern auch eine direkte Investition in deren Zukunft.

Auch für Kalaiselvi und ihre Brüder ist eine fundierte Schulbildung extrem wichtig. Während das Mädchen durch eine Bildungspatenschaft unterstützt wird, finanzieren die Eltern den Schulbesuch ihrer Söhne selber. Sie sind für die Unterstützung ihrer Tochter überaus dankbar, denn oft finden die jungen Männer keine Arbeit und dann kann die Ausbildung der Frau familienrettend sein.

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Kalaiselvi (rechts im Bild)

Hariharan ist ein sehr aufgeweckter und offener Junge. 

Der Shanthimalai Trust entschloss sich vor zwei Jahren zu einer Bildungspatenschaft: in der 1. Klasse unserer Schule hatte der Junge gute Noten. Doch dann wurde seine Mutter von ihrem Mann verlassen und bekam psychische Probleme. Somit war der weitere Schulbesuch gefährdet. Die Mutter wurde vom Schulpsychologen beraten und fand in der Folge eine Arbeitsstelle. Als jedoch ihre eigene Mutter krank wurde und sie diese zu pflegen begann, verlor sie ihre Stelle wieder (Anmerkung: Alte und pflegebedürftige Menschen werden in Südindien meist von ihren Töchtern oder Schwiegertöchtern betreut. Sozial- und Krankenversicherungen sind auf dem Lande noch wenig entwickelt). Mittlerweile ist Hariharans Grossmutter gestorben. Er und seine Mutter kehrten nun in ihr Elternhaus zu ihrem Vater und den zwei Brüdern zurück. Hariharan ist eine grosse Freude für seiner Mutter und es ist eine große Hilfe für sie, dass der Shanthimalai Trust die Kosten für seine Schulbildung übernimmt. 

Ich möchte Ihnen, liebe Paten und Patinnen, an dieser Stelle ein großes Dankeschön aussprechen.

Ohne Ihre Unterstützung wäre für die Familien von Kalaiselvi, Hariharan und viele andere Familien Hilfe nicht möglich gewesen.

Ich bedanke mich von Herzen bei Ihnen für Ihre Treue und das uns entgegengebrachte Vertrauen in den vielen Jahren guter Zusammenarbeit. Nach über 25 Jahren Betreuung der Patenschaften lege ich das Projekt in die Hände der nachfolgenden Generation und vertraue es Frau Christiana und Herrn Peter Frosio an. Die Übergabe ist für das Jahresende 2017 vorgesehen. Bis dahin werde ich weiterhin Ansprechpartnerin für Sie bleiben. Im Laufe dieses Jahres werden jedoch bereits bestimmte Aufgaben von Frau und Herrn Frosio übernommen. 

Wir sind bemüht, die Übergabe aller Aufgaben mit Sorgfalt zu gestalten. In den allgemeinen Prinzipien unseres Patenschaftsprojektes sind keine Änderungen geplant, so dass für Sie alles wie bisher weiterlaufen wird. Ich werde ich Ihnen im Hintergrund immer noch mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Nach Vollzug der Übergabe werden wir Sie noch einmal informieren. Danach können Sie sich direkt mit Fragen, Anregungen oder Wünschen an Familie Frosio wenden.

Mit herzlichen Grüßen, 

Ihre Gudrun Rademacher

Hariharan mit seiner Mutter