Jahresbericht 2019 Die stolze "Besitzerin" eines gerade unterschriebenen Arbeitsvertrags (ganz rechts im Bild), der durch die Teilnahme an unserem Skill-Development-Programm zustande kam.

Sehr geehrte Spenderinnen und Spender,

liebe Freunde, 

in unserem letzten Jahresbericht haben wir die für private Hilfsorganisationen schwierigen Entwicklungen in Indien skizziert. Der politische Wille sieht den Abbau von Bürokratie für Organisationen wie die unsrige nicht vor. Wir sind dankbar, dass wir nicht zu den ca. 17.000 privaten Hilfsorganisationen gehören, die seit Beginn dieser Entwicklung von den indischen Behörden geschlossen wurden. 

Diesen Umstand haben wir jedoch nicht einfach unserem Glück zu verdanken. Seit Jahrzehnten leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer indischen Partnerorganisation Shanthimalai Research and Development Trust unermüdliche Arbeit – wir haben Ihnen immer wieder detailliert darüber berichtet.

Nicht zu vergessen ist hier aber auch die Einflussnahme, die im Hintergrund stattfindet. Durch aktives Miteinbeziehen von Entscheidungsträgern aller Ebenen konnte über die Jahrzehnte viel Vertrauen für unsere Arbeit gewonnen werden. Dies beschränkt sich keineswegs nur auf die Region um Tiruvannamalai – auch auf den höheren Ebenen des Bundesstaates Tamil Nadu und bis hin zu Regierungsvertretern reichen bisweilen die uns wohlgesonnenen Kontakte. Doch auch in jedem einzelnen Dorf wollen verständlicherweise dessen Vertreterinnen und Vertreter mit einbezogen werden. Die meisten dieser Menschen haben ein offenes Ohr und ermöglichen trotz der schwierigen politischen Entwicklung eine effiziente Fortsetzung unserer Arbeit. Denn schließlich kommt sie ihnen ja auch zugute. Unser Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist dabei die Grundvoraussetzung für eine langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit zum Wohle aller. Wie diese aussieht, können Sie auf dieser Website (www.fkindien.de) unter dem Link „Wirkungsbeobachtung“ nachlesen. Dort sind die wichtigsten Entwicklungen der letzten drei Jahre der Programme unserer indischen Partnerorganisation (Bildungspatenschaften, Ausbildungspatenschaften und Schulen) in Zahlen und Fakten auf mehreren Seiten dargelegt. Auf einige Punkte möchten wir hier kurz eingehen. 

Das Bildungsministerium in New Delhi hat 2017 einen neuen, verschärften Lehrplan aufgelegt, der in der wenigen dafür vorgesehenen Zeit weder von Lehrern noch von Schülern vernünftig verarbeitet werden konnte. Aus diesem Grund sind in den letzten beiden Jahren in den Abschlussklassen 10 und 12 die Noten im Schnitt etwas schlechter geworden. Hält man sich vor Augen, dass an unserer Schule mehrheitlich Schüler aus sozial- und bildungsschwachen Familien stammen, ist dieser Effekt keine Überraschung. Denn hier gilt Bildung in der Meinung vieler Eltern nach wie vor nicht als ein erstrebenswertes Ziel. Zu sehr sind viele Familien ausschließlich damit beschäftigt, schlichtweg „den Kopf über Wasser 

zu halten.“ Nicht nur in Indien bestimmt der Bildungsgrad der Eltern das Ausmaß der Überzeugung, dass die Nachkommen von einer guten Schulbildung entscheidend profitieren werden. Es liegt nahe, dass diese Schülerinnen und Schüler besonders großen Hürden ausgesetzt sind, wenn von offizieller Seite der Lehrplan ausgeweitetet wird, ohne anderswo Kürzungen vorzunehmen. 

Das Ziel des Freundeskreis Indien e.V., eben diese Schülerinnen und Schüler besonders zu fördern, macht auf Grund dieser Entwicklungen neue Maßnahmen erforderlich. Unter anderem wurde deshalb 2019 ein Fokus-Programm aufgelegt, um die akademischen Leistungen der schwächeren Schüler anzuheben. Im Kern besteht das Programm darin, die Freude am Lernen (bei den Schülern) und am Lehren (bei den Lehrern) durch eine positive Lernumwelt und mit Aktivitäten außerhalb des Lehrplans zu verstärken. Dazu gehören beispielsweise auch eine natürliche und gesunde Ernährung, viel körperliche Bewegung, Spiel und Sport, und nicht zuletzt ein respektvoller Umgang miteinander. Mit der benachbarten TVS Montessori-Schule haben wir ein Austauschprogramm begonnen, an dem zunächst 33 Schüler und fünf Lehrer tageweise teilnehmen. Ziel ist, voneinander zu lernen, wie am besten mit der neuen Situation umgegangen werden kann und wie schwächere Schülerinnen und Schüler gezielt gefördert werden können. In all diese Aktivitäten werden die häufig „bildungsfernen“ Eltern so weit wie möglich mit einbezogen, damit hier ein bildungsfreundliches Bewusstsein erwachsen und familiäre Ursachen für schulische Leistungsprobleme verringert werden können. Wir sind zuversichtlich, das Problem mit diesen Maßnahmen wirkungsvoll angehen zu können. Aber: all das kann nicht mit dem laufenden Budget abgedeckt werden. 

Deshalb betonen wir bei unseren Besuchen vor Ort stets das Thema „Selbsthilfe“. Wir finden, es ist an der Zeit, dass unsere indische Partnerorganisation sich stärker an der Suche und Bereitstellung von Finanzmitteln durch die Ansprache von sozial verantwortlichen Unternehmen („Corporate Social Responsibility, CSR“) in Indien beteiligt. Dazu bedarf es einiger Anleitung und Motivation durch Experten des Freundeskreis Indien mit Hilfe von Workshops und wiederholten Besuchen bei diesen Unternehmen. Werbemittel müssen erstellt, Berichte vorbereitet, zahlreiche Kontakte geknüpft werden. Auch das ist mit Investitionen verbunden, und wir stehen hier noch ganz am Anfang. Es ist uns jedoch bereits in diesem Jahr gelungen, bei einer Großbank in Indien in die letzte Auswahlrunde für die Vergabe von finanziellen Mitteln im Rahmen ihrer CSR zu kommen. Allerdings befand man uns schließlich für „zu klein“, was immer das auch bedeuten mag. An unserem Engagement kann es nicht gelegen haben. 

Doch nicht nur die Schulen waren 2019 im Focus der Arbeit. Hinzu kommen beispielsweise die wegen längerer Dürreperioden verstärkten Anstrengungen zur Rückgewinnung und Speicherung von Regenwasser auf allen Dächern unserer Schul- und Verwaltungsgebäude. Das erlaubt uns, außerhalb der Monsunzeit weniger Wasser zuzukaufen und Kosten zu reduzieren. Dies kommt dann wiederum den umliegenden Gemeinden zugute. Auch das Absinken des Grundwasserspiegels kann damit abgemildert werden. 

Wie jedes Jahr fügen wir unserem Jahresbericht den Finanzreport bei, der Ihnen detaillierte Auskunft über das Geschäftsjahr und die aktuelle finanzielle Lage des Freundeskreises und unserer indischen Partnerorganisation gibt. Die Spenden durch den Freundeskreis Indien sind leider weiterhin deutlich rückläufig. Dieser Effekt konnte aber zum einen durch Kosteneinsparungen in Indien und zum zweiten durch eine erhöhte Spendenbereitschaft anderer Partnerorganisationen (USA, Schweiz) zumindest abgemildert werden. Besonders erwähnt sei hier eine namhafte Einzelspende, die den Bau der so nötigen Mehrzweckhalle für die Gesamtschule ermöglicht hat. Wir haben darüber berichtet. 

Oben fiel bereits das Wort „Glück“. Die meisten Menschen um den Heiligen Berg Arunachala sind tief spirituell verwurzelt und würden hier vermutlich das Wort „Gnade“ passender finden. Wo auch immer Sie, liebe Spenderin, lieber Spender, sich nun mit Ihrer Weltanschauung in diesem Spektrum zwischen menschlicher Kontrolle und göttlicher Fügung verorten mögen – in jedem Falle dürfen wir uns glücklich schätzen, dass wir unsere für die Menschen in dieser Region wichtige Arbeit fortsetzen können. 

Ihnen gebührt hierfür unser Dank, denn Ihr Beitrag ist für viele dieser Menschen nicht weniger als ihre materielle Lebensgrundlage. Bei aller Spiritualität und Weisheit, die so vielen Menschen in Indien innewohnt - ohne ausreichende materielle Absicherung können sich die anderen Aspekte eines zufriedenen Lebens nicht entfalten. Der Freundeskreis Indien wird sich auch in Zukunft mit Ihrer Hilfe für notleidende Menschen und für die nachhaltige Entwicklung einer selbstbestimmten, gebildeten, gesunden und gleichberechtigten Gesellschaft im Raum Tiruvannamalai einsetzen. Wir bauen weiter auf Ihre Großzügigkeit. Mit nur einem Euro am Tag für eine Bildungspatenschaft machen Sie für eine ganze Familie einen entscheidenden Unterschied. 

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, bitte zögern Sie nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen. 

Wir wünschen Ihnen ein frohes und entspanntes Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben. 

Mit herzlichen Grüßen, 

Ihre 

                 Dr. Rüdiger Hoppe        Gudrun Rademacher       Robert Hebel

 

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Erdverbunden.

Gemeinsam geht alles besser. Und mit Dr. Claus-ji sowieso.

Kassenbericht FKI

Bilanz der Partnerorganisation in Indien

Unsere Dorothy (Bildmitte) mit Patenkind und dessen Eltern.