Jahresbericht November 2017

Sehr geehrte Spender, liebe Freunde,

diesen Sommer habe ich eines der Dörfer besucht, aus dem einige unserer Patenkinder kommen. Die sandige Straße führte uns an einfachen Lehmhütten vorbei, auf den wenigen noch bepflanzten braunen Feldern standen verdorrte Reissetzlinge oder dürre Sträucher in der prallen Mittagssonne bei 43° C. Unmittelbar kam mir das Bild meiner Ankunft auf dem Flughafen in Chennai in den Sinn. Dort herrschte rege Betriebsamkeit, ich sah viele mit Aktentaschen und Laptops umhereilen; der neue, glänzende Flughafen mit Vollklimatisierung etc. ist beeindruckend. 

Dieser persönliche Eindruck bestätigt einmal wieder: Indien ist ein Land voller Gegensätze und mit einem enormen Stadt-Land-Gefälle. Das Nebeneinander eines industriellen, modernen Sektors einerseits und eines traditionellen, agrarischen Sektors andererseits wird nirgends so deutlich, wie wenn man Indiens Großstädte verlässt und in die abgelegenen Regionen reist. Analphabetismus und schlechte Bildungsmöglichkeit betreffen vor allem Indiens Landbevölkerung, so dass die Söhne und Töchter armer Bauern zur Landflucht gezwungen werden.

In den großen Städten ist die »Konkurrenz« jedoch schon haushoch überlegen und Broterwerbstätigkeiten sind begrenzt. Daher führt an einer langfristig ausgelegten Förderung im ländlichen Raum kein Weg vorbei. Wir haben uns vor langer Zeit entschieden, genau dort wirksam zu werden. Über Jahrzehnte hinweg konnten wir das Vertrauen der Landbevölkerung rund um Tiruvannamalai gewinnen und eine tragfähige Partnerschaft aufbauen. Den nachkommenden Generationen sollten wir eine echte Chance geben, an Indiens Wirtschaftsaufschwung teilzuhaben. Für die Familien vor Ort sind unsere Bemühungen essentiell – denn ohne finanzielle Hilfe können weder die Schulen noch das Patenschaftsprogramm dauerhaft weiter bestehen.

Jahresbericht als PDF

Ziegen suchen auf der verdorrten Steppe nach Fressbarem

Neben unseren Herzensprojekten Bildung und Patenschaften beschäftigt uns momentan leider noch ein anderes zentrales Thema. Der Klimawandel bedroht auch Südindien massiv. Menschen, Tiere und Pflanzen rund um Tiruvannamalai haben noch nie so sehr unter einer extremen, langanhaltenden Dürre gelitten, wie die vergangenen 18 Monate. Diese Entwicklung gefährdet besonders die Landbevölkerung und verstärkt die Landflucht. Die jährliche Dauer der Hitzeperiode in Tamil Nadu ist seit 1975 pro Jahrzehnt um 14,5 Tage gestiegen! Um in unserem Einzugsgebiet Mensch und Natur am Leben zu erhalten, mussten unsere indischen Partner – wenn es finanziell überhaupt möglich war – täglich ca. 108.000 Liter Wasser kaufen und per Tanklaster (12.000 L / eine Füllung) kommen lassen. Mit den Trusts sind wir momentan intensiv auf der Suche nach nachhaltigen Lösungen. Dies soll beispielsweise durch Reduzierung des Wasserverbrauchs, dem Bau von Zisternen und Abdichtung von Rohrleitungen und alten Brunnen geschehen.

An der Schule haben wir einen neuen Wasserhochtank sowie eine unterirdische Zisterne gebaut. Hier stoßen wir zukünftig finanziell an unsere Grenzen. Eine Tanklastfüllung kostet ~ 1.100 Rs – das sind 15 €. Pro Monat brauchen wir somit über 4.000 € für das lebensnotwendige Nass. Bitte helfen Sie mit, die Kinder sind überaus dankbar!

Neue Zisterne

Neuer Wassertank

Liebe Spender, liebe Freunde,

über 25 Jahre war ich Vorsitzende des Freundeskreises Indien. Nun hatte ich das Gefühl, dass es Zeit ist, diesen Posten in neue Hände zu legen. Ich habe mich sehr gefreut, dass der Verein Herrn Dr. Rüdiger Hoppe zu meinem Nachfolger gewählt hat. Ich werde weiter im Verein und in Indien mitarbeiten. Herr Dr. Hoppe hat mein volles Vertrauen und ich wäre sehr glücklich, wenn Sie die Arbeit des Vereins auch weiterhin mit Ihren Spenden unterstützen würden. Für all Ihre Spenden und das Vertrauen, dass Sie mir in dieser Zeit entgegen gebracht haben, bedanke ich mich von Herzen!

Ihre Dr. med Marianne Feja

Dr. med Marianne Feja mit Patenkindern

In der Mitgliederversammlung im Mai diesen Jahres wurde mit Herrn Dr. Rüdiger Hoppe einstimmig ein neuer Vorsitzender des Freundeskreis Indien e.V. gewählt. Er ist, wie Frau Dr. Feja, dem Freundeskreis Indien schon seit über 30 Jahren verbunden. Jedes Jahr besucht er den Shanthimalai Trust in Indien, macht sich vor Ort über den Projektfortschritt kundig, und arbeitet in verschiedenen Teilbereichen mit.

Er schreibt: Dieser Tage muss ich eine ganze Menge neuer Dinge lernen, die mit der Vereinsarbeit einhergehen, wie Finanzen, Organisation und Rechtliches. Wenn man so eine Aufgabe übernimmt, macht man sich natürlich auch Gedanken, was gut läuft, und was besser laufen könnte. Deshalb suche ich regelmäßig die Rückmeldung von Spendern und Sponsoren. Bei unseren halbjährlichen Workshops mit den aktiven Ehrenamtlichen überlegen wir dann, wie wir das umsetzen. Wir haben auch schon einige neue kleinere Projekte hier und in Indien initiiert. Dabei hilft mir meine langjährige Erfahrung als Führungskraft eines großen deutschen Unternehmens im In- und Ausland.

Liebe Freunde und Spender, jedes Jahr haben wir sowohl für die Bildungs- als auch für die Ausbildungs-Patenschaften viel mehr Anträge von bedürftigen Kindern, als wir annehmen können. Ihre Weiterempfehlung an Freunde oder Bekannte wird daher dringend benö- tigt! Von Herzen bedanke ich mich für Ihre Treue und hoffe auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und Unterstützung

Ihr Dr. Rüdiger Hoppe, 1. Vorsitzender